Neben der Einrichtung Deutscher See- und Schiffsposten befaßte sich das Deutsche Reich auch mit der Versorgung von Post für die Angehörigen und Dienststellen der Kaiserlichen Marine. Nach vielen Anhörungen und Diskussionen zwischen der Deutschen Reichspost und der Admiralität der Kaiserlichen Marine erfolgte das nachfolgende Prozedere.

Die Aufgabe der Marine-Schiffspost wurde im Marine-Verordnungsblatt Nr. 18 vom 22.8.1895 für die „probeweise Einführung von Marine-Schiffsposten” am besten zum Ausdruck gebracht. Es heißt hier:

„Den Kriegsschiffen wird hierdurch die Eigenschaft eines im Auslande befindlichen Postbüros des Heimatlandes beigelegt.”

Die Grundlage der Marine-Schiffspost ist die „Dienstordnung für die Kaiserlichen Marine-Schiffsposten”. Diese Dienstordnung ist ein umfangreiches Werk, denn sie regelt den gesamten Postverkehr mit preußischer Genauigkeit bis in alle Einzelheiten. Man brauchte für ihre Erstellung auch schließlich vier Jahre Verhandlungen zwischen dem Reichspostamt und der Reichsmarine-Verwaltung.

Die Einführung der Marine Schiffspost

Daß es zur Einrichtung der Marine-Schiffspost kam, lag einfach an den recht beschränkten internationalen Postbestimmungen zur Mitte des 19. Jahrhunderts. So sah sich das preußische Marine-Ministerium bereits im November 1867 veranlaßt, ein „Marine-Bureau” als Geschäftsstelle des Hofpostamtes in Berlin einzurichten. Dieses Postbüro hatte die Aufgabe, die Post von der Heimat an die entsprechenden Kriegsschiffe im Ausland zu versenden und den Inhalt der vom Ausland eingehenden „Briefpakete” an die jeweiligen Empfänger weiterzuleiten. Die Schwierigkeiten lagen nun aber im Versand dieser „Briefpakete” („Hofpostamtsbriefe”), denn hierfür gab es noch keine internationale Vereinbarung. Viele ausländische Postverwaltungen lehnten es ab, die verschlossenen Marine-Postpakete zu befördern.

Erst der „Postkongreß von 1891” in Wien brachte eine befriedigende, international gültige Regelung des Postverkehrs zwischen Kriegsschiffen im Ausland und der Heimat. Der deutschen Reichspostverwaltung gelang es, den Artikel 77 durchzusetzen, der den „Austausch geschlossener Briefposten mit Kriegsschiffen” festlegte. Wie erwähnt, dauerte es jedoch noch vier Jahre, bis es 1895 zur probeweisen Einführung der deutschen Marine-Schiffspost kam. Im Jahr 1897 fand dann die Marine-Schiffspost ihre endgültige Form, die sie bis 1939 im wesentlichen beibehielt. Von diesem Zeitpunkt an gab es bei der Marine-Schiffspost nur noch Feldpost.

Wie bereits erwähnt, wurde die probeweise Einführung von Marine-Schiffsposten im Marine-Verordnungsblatt Nr.18 festgelegt. Es wurden zunächst sieben Schiffspostausrüstungen beschafft, deren Poststempel entsprechend die Nummer „1” bis „7 erhielten.

Bei der Einführung der Marine-Schiffspost wurde den Schiffen für jede Auslandsreise die Schiffspostausrüstung neu zugewiesen. Dies erklärt, warum die Schiffspostausrüstungen in den ersten Jahren sehr häufig wechselten. Später blieben die Ausrüstungen meistens auch bei kürzeren Heimataufenthalten an Bord. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Für die gesamte weitere Betrachtung der Marine-Schiffspost ist es von großer Wichtigkeit zu wissen, daß die Nummer im Stempel, die mit der Schiffspostausrüstung identisch ist, und das Stempeldatum erkennen lassen, um welches Schiff an welchem Ort es sich handelt.

Die ersten sechs Schiffspostausrüstungen wurden den Schiffen, die zur „Ostasiatischen Kreuzer-Division” in Ostasien und zur „Australischen Station” gehörten, zugewiesen. Das in der Südsee befindliche Vermessungsschiff MÖWE erhielt die Nummer „7”.

Nachdem die ersten positiven Erfahrungsberichte der Kommandos vorlagen, entschied sich das Reichs-Marine-Amt im Marine-Verordnungsblatt Nr. 11 vom 27.5.1897 für die endgültige Einführung der Marine-Schiffspost. Bevor wir uns mit den Marine-Schiffspoststempeln befassen, soll etwas näher auf die „Dienstanweisung für die Kaiserlichen Marine-Schiffsposten (an Bord S.M.Schiffe in fremden Gewässern)” eingegangen werden. Der Zahlmeister an Bord von Marineschiffen hatte auf Grund der Bestimmungen die Marine-Schiffspost nach Anweisung des Kommandanten zu verwalten. Bei den Handelsdampfern, die in Charter der Reichsmarine fuhren, unterstand die gesamte Verwaltung und Betriebsüberwachung der Marine-Schiffspost dem Marine-Zahlmeister des Transportkommandos. Der Zahlmeister der Reederei hatte mit der Marine-Schiffspost nichts zu tun. Die Portosätze bei den Marine-Schiffsposten wurden im wesentlichen an die Inlandsportosätze angeglichen. Ausnahmen bildeten nur die drei kriegerischen Unternehmungen, an denen die Marine von 1900 bis 1907 beteiligt war. Hier wurde jeweils die Feldpost eingeführt. Die Dienstanweisung beschrieb alle Tätigkeiten sehr ausführlich, damit auch der großen Zahl von Laien, zu denen man das an Bord der Auslandsschiffe mit der Durchführung des Postbetriebes betraute Personal zu rechnen hatte, ermöglicht wurde, in allen Zweifelsfragen schnell festzustellen, wie zu verfahren sei. Daß es trotzdem manchmal daneben ging, beweist das Zustandekommen des „Vineta-Provisoriums”.

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Stempel „KAIS. DEUTSCHE MARINE-SCHIFFSPOST N° 40”, aufgegeben an Bord des Großen Kreuzers DEUTSCHLAND während der Ausreise auf die Ostasiatische Station, aufgegeben am 21.12.1897 beim kurzen Anlegen in Port Said. Der Brief mußte mit 20 Pfg. freigemacht werden, da der Absender ein Offizier war (für Mannschaften und Unteroffiziere waren 10 Pfg. zu frankieren).

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Stempel „KAIS. DEUTSCHE MARINE-SCHIFFSPOST N° 75”, vom 2.4.1904 auf Kartenbrief aus Tsingtau, aufgegeben an Bord des Torpedobootes TAKU, das vom 8.12.1903 bis zum 24.5.1904 dort lag. Absender ist der Kommandant des Schiffes, Oberleutnant zur See Freiherr Gerhard von Ledebur. Die MSP N° 75 war dem Torpedoboot „S 90” zugeteilt und von der „TAKU” mitbenutzt worden, da es keine eigene MSP-Ausrüstung besaß.

Sache der Reichspostverwaltung war es nun, die Schiffe der Kaiserlichen Marine mit Schiffsposten auszurüsten. Diese beauftragte jedoch hiermit die Postämter der Marinestationsorte Wilhelmshaven (für die zur Nordseestation gehörenden Schiffe) und Kiel 1 (für die zur Ostseestation gehörenden Schiffe). Für uns Philatelisten ist der interessanteste Schiffspostausrüstungsgegenstand der Tagesstempel.

Dieser Kreisstempel wurde von 1895 bis 1914 mit den Nummern „1 bis „88” in unveränderter Form hergestellt (bis auf eine Ausnahme). Diese Marine-Schiffspoststempel wurden alle bei der Firma Th. Gleichmann, Berlin, angefertigt.

So verwaltete Wilhelmshaven die Marine-Schiffspostausrüstungen mit den Nummern 4-6, 13-15, 21-24, 27, 29, 30, 48, 49, 51-53, 68, 73-80 und Marine-Lazarett Yokohama. Kiel bekam die restlichen Nummern. Der Stempel YOKOHAMA war der einzige Stempel, der keine Nummer hatte. Er wurde von 1897 bis zur Auflösung am 12.1.1912 verwendet. Der Stempel Nr. 18 ging bereits am 16.12.1900 verloren, als das Schulschiff GNEISENAU bei Malaga strandete und unterging. Die Lebensläufe der Stempel sind im einzelnen dem Handbuch von Korv.Kapt. a.D. Fr. Crüsemann zu entnehmen.