Der Begriff „SEEPOST” beinhaltet die Bearbeitung der beförderten Post an Bord eines Schiffes während der Überfahrt. Viele Stempel, die in ihrer Inschrift die Bezeichnung „SEEPOST” tragen, sind nach unserer heutigen Definition „SCHIFFSPOSTEN”. Seeposten im eigentlichen Sinne waren nur die Deutsch-Amerikanischen Seeposten von Bremen, bzw. Hamburg nach New York, sowie heimkommend als US-GERMAN-SEA-POST fahrend. Auf der Reise nach Amerika führte ein deutscher Postbeamter die Oberaufsicht, während auf der Rückreise nach Europa einem amerikanischen Seepostbeamten die Aufsicht übertragen wurde. Gemeinsame Seeposten mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika bestanden auch zwischen Frankreich und Großbritannien.

Unbenannt
Weltpostvereinspostkarte, aufgegeben an Bord des NDL-Dampfers „EIDER”, dort vom Seepostamt bearbeitet und mit dem Ovalstempel der Deutsch-Amerikanischen Seepost, Kennziffer „IV” unter dem 25.10.1891 abgestempelt.

Die beiden abgebildeten Postkarten zeigen zwei weitere Stempeltypen der Seepost auf der Linie Bremen-New York

S2
Ovalstempel mit dem Kennbuchstaben „e” vom 9.7.1911
S3
Flaggenstempel der Deutsch-Amerikanischen Seepost Bremen-New York vom Dampfer „KAISER WILHELM II” unter dem 3.3.1914.

Die beiden folgenden Briefe dokumentieren den Seepostdienst der HAPAG auf der Deutsch-Amerikanischen Seepost von Hamburg nach New York.

S4
Einkreisstempel mit dem Kennbuchstaben „d” unter dem 11.11.1911
S5
Der Flaggenstempel vom Dampfer „AMERIKA” auf einem Brief nach Lockwitz unter dem 16.2.1914

Wie eingangs erwähnt, wurden gleichzeitig mit der Errichtung der Deutsch-Amerikanischen Seepost von Bremen nach New York von der amerikanischen Postverwaltung die U.S.German Sea Post eingerichtet für die Reisen New York - Bremen bzw. Hamburg. Die jeweiligen Seepostämter erhielten für die Rückreise die Leitung der Einrichtung und verwendeten eigene Seepoststempel, siehe dazu den nachfolgenden Beleg.

S1
Postkarte nach Uelzen, aufgegeben an Bord des Seepostamtes des Schnelldampfers „KAISER WILHELM II” vom Norddeutschen Lloyd Bremen. Die US-Frankatur zu 2 Cents wurde mit dem so genannten Killerstempel der U.S.GERMAN SEA POST unter dem 4.Juni 1912 entwertet. Die Zahl „12” im Killer steht für das betreffende Seepostamt. Diese Killerstempel gibt es in vielen Typen, die in manchen Fällen sehr schwer zu entziffern sind.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 wurden die Deutsch-Amerikanischen Seeposten eingestellt und die Seepostämter geschlossen.

Bereits im August 1920 vereinbarte der Norddeutsche Lloyd Bremen mit der in den USA neu gegründeten United States Mail Steamship Company in New York wieder gemeinsame Fahrten zwischen Bremen und New York, aus der sich im Jahr 1925 wieder ein regelmäßiger Seepostdienst entwickelte, der auf beiden Seiten zum Teil sogar die noch vorhandenen Seepoststempel der Deutsch-Amerikanischen Seepost verwendete.

S2
Postkarte nach New York City, aufgegeben an Bord des Dampfers „COLUMBUS” vom Norddeutschen Lloyd Bremen. Die Frankatur wurde mit dem Ovalstempel der Deutsch-Amerikanischen Seepost auf der Linie Bremen-New York, Kennziffer „VIII” unter dem 18.5.1925 entwertet. Ein sehr sauberer Beleg von diesem Dienst nach dem Ersten Weltkrieg.

Nach und nach wurden in diesen Dienst neu erbaute große Schnelldampfer von Bremen oder Hamburg ausgehend eingestellt, die mit Seepostämtern ausgerüstet wurden. Der Norddeutsche Lloyd Bremen stellte 1929 und 1930 seine beiden großen Turbinendampfer „BREMEN” und „EUROPA” in Dienst, die zur Beschleunigung von Postaufgaben mit Schleuderflugzeugen ausgerüstet waren, um den Empfängern diese ca. 30 Stunden vor Ankunft der Schiffe zustellen zu können. Der nachfolgend abgebildete Brief dokumentiert eine solche Beförderung.

S3
Brief nach New York City, aufgegeben an Bord des Schnelldampfers „EUROPA” vom NDL. Die Frankatur wurde mit dem Normstempel der Deutsch-Amerikanischen Seepost Bremen-New York unter dem 14.9.1930 entwertet und mit dem ersten Katapultflug des Schiffes am 15.9.1930 nach New York geflogen.
S4
Schleuderflugbrief von der ersten Rückreise des Schnelldampfers „EUROPA” des NDL. Die US-Frankatur zu 13 Cent wurde unter dem 17.9.1930 mit dem Killerstempel der US-GERMAN SEA POST S.S. EUROPA entwertet. Zusätzlich der Stempel „1.Deutscher Katapult - Aug / D. EUROPA / Southampton / am 21. September 1930 angebracht. Der Seepoststempel wurde von dem US-Seepostamt an Bord verwendet, das federführend auf der Rückreise des Schiffes war.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1.9.1939 wurde die Seepost zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Nordamerika eingestellt. Damit endet die Geschichte der Deutsch-Amerikanischen Seepost zwischen Bremen bzw. Hamburg und New York.