Bei Kriegsausbruch im August 1914 lagen die meisten Kriegsschiffe in ihren Heimathäfen, deshalb durften die Marine-Schiffspoststempel, die ja nur in außerheimischen Gewässern benutzt wurden, nicht verwendet werden. Um die Post der Besatzungsangehörigen als Feldpost zu kennzeichnen, stempelte man sie mit den an Bord befindlichen Briefstempeln oder es wurden besondere Formationsstempel hierfür hergestellt. Erst ab Dezember 1914 war es den Schiffen in der Heimat erlaubt, die Marine-Schiffspoststempel, die sich z. T. noch an Bord befanden, zu benutzen. Eine Ausnahme bildete der Große Kreuzer BLÜCHER, der den MSP-Stempel Nr. 12 bis zum Untergang am 24.1.1915 ständig einsetzte.
Ab Anfang 1915 beschaffte man die ersten neuen Stempel, und zwar die Nummern 89-238 als Einkreis-Stahlstempel. Später kamen die Stempel 239-249 als Stahl-Brückenstempel hinzu, Mitte 1915 dann noch die Stempelnummern 301-320, wieder als Einkreis-Stahlstempel. Die Stempelnummern 351-492 waren nur noch Gummistempel, die wegen der hohen Abnutzung oft erneuert werden mußten. Befindet sich im Stempel neben der Marine-Schiffspostnummer ein kleines „a” oder „b”, so handelt es sich immer um einen Ersatzstempel.
Bereits vier Tage nach Kriegsende (11.11.1918) wurden die ersten Marine-Schiffspoststempel auf Schiffen mit meuternder Besatzung aptiert benutzt, d.h. das Wort „KAIS.” im Stempel wurde entfernt. Viele Schiffe verwendeten aber noch die alten Stempel mit „KAIS.” bis zum Ende der Feldpostfreiheit am 28.2.1919 und darüber hinaus weiter. Ab 1919 gibt es kaum noch Marine-Schiffspost. Die beiden Kleinen Kreuzer KÖNIGSBERG und REGENSBURG, die ständig als Kurierschiffe nach Scapa Flow fuhren, benutzten die Stempel in ausländischen Gewässern bis zur Ablieferung Ende 1919 weiter.